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GDD-Berechnung

Wachstumsgradtage (GDD — Growing Degree Days) messen die akkumulierte Wärme, die eine Pflanze seit der Aussaat erfahren hat. Sie erlauben zuverlässigere Vorhersagen über Erntezeit und Phasenübergänge als reine Kalenderzeit, weil Pflanzen auf Wärme reagieren — nicht auf Kalendertage.


Voraussetzungen

  • Eine angelegte Pflanzinstanz mit Aussaatdatum
  • Tagestemperaturen (manuell erfasst oder über Sensor)
  • Bekannte Basistemperatur der Pflanzenart (in den Stammdaten hinterlegbar)

Die GDD-Formel

Kamerplanter verwendet die klassische Tagesmittel-Methode:

GDD_Tag = max(0, (T_max + T_min) / 2 - T_base)
Parameter Bedeutung Typischer Wert
T_max Tageshöchsttemperatur (°C) gemessen oder Tagesdurchschnitt
T_min Tagestiefsttemperatur (°C) gemessen oder Tagesdurchschnitt
T_base Basistemperatur der Pflanze (°C) 10 °C (viele Gemüse), 0 °C (Weizen)

Die akkumulierten GDD seit Aussaat ergeben sich aus der Summe aller Tageswerte:

GDD_akkumuliert = Σ GDD_Tag  (von Tag 1 bis heute)

Negativwerte werden ignoriert

Liegt die Tagesmitteltemperatur unter der Basistemperatur, ergibt sich 0 — nicht ein negativer Wert. Die Pflanze akkumuliert an kalten Tagen keine Wärme.


Basistemperaturen häufiger Pflanzen

Pflanzenart T_base (°C) Hinweis
Tomate 10 Fruchtreife ~1000–1400 GDD
Paprika / Chili 10 Reife ~1200–1600 GDD
Gurke 10 Ernte ~600–800 GDD
Salat / Kopfsalat 4 Schnell, ~500 GDD
Mais 10 Reife ~1300–1600 GDD
Cannabis (Kurztagspflanzen) 10 Blütezeit variiert stark nach Sorte
Basilikum 10 Schnitt nach ~300 GDD
Karotte 4 Ernte nach ~1000–1200 GDD

Basistemperatur in den Stammdaten pflegen

Tragen Sie die Basistemperatur einer Art direkt in den Stammdaten unter dem Reiter "Wachstumsanforderungen" ein. Kamerplanter verwendet diesen Wert automatisch bei der GDD-Berechnung für alle Pflanzen dieser Art.


Beispielrechnung

Szenario: Tomate, T_base = 10 °C, 5 Tage nach Aussaat

Tag T_max (°C) T_min (°C) Tagesmittel GDD_Tag GDD kumuliert
1 22 14 18,0 8,0 8,0
2 25 16 20,5 10,5 18,5
3 18 8 13,0 3,0 21,5
4 11 6 8,5 0,0 21,5
5 24 15 19,5 9,5 31,0

An Tag 4 lag das Tagesmittel (8,5 °C) unter der Basistemperatur (10 °C), daher wurden keine GDD akkumuliert.


GDD und Phasenübergänge in Kamerplanter

Kamerplanter kann GDD-basierte Phasenübergangsregeln auswerten. Wenn eine Pflanze eine definierte GDD-Schwelle erreicht, wird automatisch ein Übergangshinweis ausgelöst.

Konfiguration einer GDD-Übergangsregel

  1. Öffnen Sie die Stammdaten der gewünschten Pflanzenart.
  2. Navigieren Sie zu Lebenszyklus > Übergangskriterien.
  3. Wählen Sie für den gewünschten Phasenübergang den Typ GDD-basiert.
  4. Tragen Sie den Schwellenwert in GDD ein.

Beispiel: Tomate Vegetativ → Blüte

Tragen Sie 400 GDD als Schwellenwert für den Übergang von der vegetativen Phase in die Blütephase ein. Sobald die Pflanze diesen Wert erreicht hat, erscheint ein Übergangshinweis im Dashboard.


GDD vs. Kalendertage

Kriterium Kalendertage GDD
Einfachheit Sehr einfach Erfordert Temperaturdaten
Genauigkeit bei Wärme-/Kältephasen Gering Hoch
Vergleichbarkeit zwischen Jahren Eingeschränkt Gut vergleichbar
Nützlich für Grobe Planung Ernte- und Phasenprognose

Kombination empfohlen

Für genaue Erntezeitplanung empfiehlt sich die Kombination: Kalenderzeit als grober Rahmen, GDD als Feinindikator für Reife.


Temperaturbegrenzte GDD (optionale Methode)

Manche Pflanzen akkumulieren auch bei sehr hohen Temperaturen keine zusätzliche Reife — das Wachstum verlangsamt sich über einer Maximaltemperatur. Die erweiterte Formel:

T_eff = min(T_max_cap, max(T_base, Tagesmittel))
GDD_Tag = T_eff - T_base
Parameter Bedeutung
T_max_cap Obere Temperaturbegrenzung (z. B. 30 °C)
T_eff Effektive Temperatur nach Kappung

Vereinfachte Methode in Kamerplanter

Kamerplanter verwendet standardmäßig die einfache Tagesmittelmethode ohne obere Temperaturbegrenzung. Die erweiterte Methode steht für zukünftige Versionen auf der Roadmap.


Hintergrund: Warum GDD besser als Kalenderzeit sind

Pflanzen sind keine Kalender. Ihre Entwicklung wird durch aufgenommene Wärmeenergie gesteuert. Ein warmes Frühjahr kann die Entwicklung einer Tomate um 2–3 Wochen gegenüber einem kalten Jahr beschleunigen. Auf GDD-Basis sind solche Jahrgänge direkt vergleichbar.

Praxisbeispiel aus dem Freiland

In einem warmen Jahr (April-Durchschnitt 16 °C) erreicht eine Tomate die Blütephase schon nach 4 Wochen. Im kühlen Folgejahr (April-Durchschnitt 12 °C) dauert es 7 Wochen. In GDD ausgedrückt sind beide Ereignisse auf ~400 GDD vergleichbar.


Haeufige Fragen

Welche Basistemperatur soll ich für Cannabis verwenden?

Die meisten Cannabis-Sorten verwenden T_base = 10 °C. Manche Indoor-Züchter setzen 15 °C, da die Pflanzen nie unter dieser Temperatur kultiviert werden. Konsistenz ist wichtiger als der Absolutwert — verwenden Sie für alle Pflanzen einer Art denselben Wert.

Muss ich täglich Temperaturen erfassen?

Für Indoor-Anbau mit konstanter Temperatur reicht ein Tagesdurchschnitt. Für Außenanlagen empfiehlt sich die Min/Max-Methode mit einem Thermometer. Zukünftig kann Kamerplanter Wetterdaten automatisch über die DWD-/Open-Meteo-Integration beziehen (REQ-005).

GDD-Wert ist unrealistisch hoch, was ist falsch?

Prüfen Sie, ob die Basistemperatur in den Stammdaten korrekt eingetragen ist. Eine versehentlich auf 0 °C gesetzte Basistemperatur summiert jede Umgebungswärme auf.


Siehe auch