Nährlösung mischen¶
Eine korrekt gemischte Nährlösung ist die Grundlage für gesundes Pflanzenwachstum. Kamerplanter berechnet automatisch EC-Budgets, skaliert Herstellerrezepte und validiert die Mischfolge — so werden Ausfällungen und Wirkungsverluste verhindert.
Mischfolge einhalten
CalMag immer zuerst in Wasser einrühren, bevor andere Dünger hinzugefügt werden — insbesondere vor Sulfaten und Phosphaten. Falsche Reihenfolge führt zu Calciumsulfat-Ausfällungen (CaSO₄) und unwirksamer Nährlösung.
Voraussetzungen¶
- EC-Messgerät (Leitfähigkeitsmessgerät)
- pH-Messgerät oder -Tester
- Bekannte EC-Werte des Gieß-/Mischwassers (Leitungswasser oder RO-Wasser)
- Dünger in Kamerplanter angelegt (unter Stammdaten > Dünger)
Das EC-Budget-Modell¶
Kamerplanter berechnet, wie viel elektrische Leitfähigkeit die Düngemittel noch beisteuern dürfen — das EC-Budget:
| Variable | Bedeutung | Beispielwert |
|---|---|---|
EC_ziel | Gewünschte End-EC der Nährlösung | 1,8 mS/cm |
EC_mischwasser | EC des verwendeten Gießwassers | 0,4 mS/cm |
EC_netto | Verbleibender Spielraum für Dünger | 1,4 mS/cm |
RO-Wasser für maximale Kontrolle
Umkehrosmosewasser (RO-Wasser) hat typisch EC < 0,05 mS/cm und gibt das volle EC-Budget für Nährstoffe frei. Hartes Leitungswasser mit hohem Ca/Mg-Gehalt reduziert das Budget erheblich.
Der 3-stufige EC-Budget-Pipeline¶
Kamerplanter wendet eine strukturierte 3-Stufen-Berechnung an:
Stufe 1 — Wassergemisch (EC_mix)¶
Bei Mischbetrieb aus RO- und Leitungswasser berechnet Kamerplanter zuerst die EC des Gemisches:
Beispiel: 50 % RO (EC 0,02) + 50 % Leitungswasser (EC 0,50):
Stufe 2 — EC-Aufteilung (Budget-Segmente)¶
Das EC-Netto-Budget wird in Segmente aufgeteilt (in dieser Reihenfolge):
| Segment | Priorität | Beschreibung |
|---|---|---|
| Silikat | 1 (erste Abzug) | Optionales Silikat wird vorab kalkuliert |
| CalMag | 2 | Calcium-Magnesium-Lösung (Pflichtbestandteil bei Coco/Hydro) |
| pH-Reserve | 3 | Puffer für pH-Adjuster (0,02–0,05 mS je nach Wasserhärte) |
| Basisdünger | 4 | Restbudget wird auf Basisdünger verteilt |
Stufe 3 — Rezeptskalierung¶
Wenn Herstellerrezepte (ml/L je Dünger) in Kamerplanter hinterlegt sind, skaliert das System proportional:
Ohne Rezeptangaben: Gleichmäßige Verteilung des EC-Budgets auf alle Basisdünger.
Mischfolge — Schritt für Schritt¶
Die Reihenfolge beim Mischen ist kritisch. Kamerplanter generiert automatisch eine nummerierte Mischanleitung:
1. Behälter mit [X] Liter Wasser füllen
2. Silikat hinzufügen — kräftig rühren, 5 Min. warten
3. CalMag hinzufügen — gründlich mischen
4. Basisdünger A hinzufügen — rühren
5. Basisdünger B hinzufügen — rühren
6. pH anpassen (Ziel: [X]) — rühren, 5 Min. warten
7. Endwert EC messen und bestätigen
Warum Silikat vor CalMag?
Silikat (SiO₄²⁻) bildet mit Calcium-Ionen (Ca²⁺) schwerlösliches Calciumsilikat (CaSiO₃). Daher muss Silikat zuerst ins Wasser, bevor CalMag zugegeben wird — sonst fällt der Wirkstoff aus.
Inkompatibilitäten und Sicherheitsvalidierung¶
Kamerplanter prüft automatisch folgende Kombinationen:
| Kombination | Risiko | Schweregrad |
|---|---|---|
| CalMag + Sulfate (z. B. Epsom) | Gipsfällung (CaSO₄) | Kritisch |
| CalMag + Phosphate | Calciumphosphat-Fällung | Kritisch |
| Silikat + CalMag (falsche Reihenfolge) | CaSiO₃-Fällung | Kritisch |
| Eisenchelat + pH > 7 | Chelat destabilisiert | Warnung |
| Nur-Blattdünger + Fertigationsdünger | Falsche Anwendung | Hinweis |
Kritische Warnungen sofort beachten
Erscheint eine rote Warnung in der Mischanleitung, hören Sie sofort auf und prüfen Sie die Dünger-Kombination. Eine ausgefällte Lösung lässt sich nicht mehr retten — komplettes Neuansetzen erforderlich.
EC-Zielwerte nach Phase und Substrat¶
Kamerplanter validiert die berechnete End-EC gegen phasen- und substratspezifische Maximalwerte:
| Substrat | Sämling (mS) | Vegetativ (mS) | Blüte (mS) | Ausspülung (mS) |
|---|---|---|---|---|
| Hydroponik | 0,8 – 1,2 | 1,6 – 2,4 | 1,8 – 2,8 | 0,0 – 0,3 |
| Coco | 0,8 – 1,0 | 1,6 – 2,0 | 1,8 – 2,4 | 0,0 – 0,3 |
| Erde | 0,4 – 0,6 | 0,8 – 1,4 | 1,0 – 1,6 | 0,0 – 0,3 |
Frisches Coco: CalMag-Boost automatisch
Bei frisch angesetzten Coco-Batches (0 Nutzungszyklen) erhöht Kamerplanter die CalMag-Dosis automatisch um 20 %, da ungenutztes Coco Calcium und Magnesium aus der Lösung aufnimmt (Kationenaustausch).
pH-Wert einstellen¶
Nach dem Mischen der Dünger pH-Wert messen und korrigieren:
| Substrat | Ziel-pH-Bereich | Hinweis |
|---|---|---|
| Hydroponik | 5,5 – 6,0 | Nährstoffaufnahme-Optimum |
| Coco | 5,8 – 6,2 | Leicht höher als Hydro |
| Erde | 6,0 – 6,8 | Mikrobielle Aktivität berücksichtigen |
| Lebendige Erde | 6,2 – 7,0 | pH durch Bodenbiologie gepuffert |
Kamerplanter gibt Anweisungen, ob pH Up (Kalilauge) oder pH Down (Phosphorsäure) benötigt wird.
pH erst nach Düngerzugabe einstellen
pH-Korrekturen immer als letzten Schritt durchführen — nach dem Einmischen aller Nährstoffe. Dünger verändern den pH und könnten eine erneute Korrektur erfordern.
Ablaufanalyse (Runoff)¶
Beim Drain-to-Waste-Betrieb (Coco, Rockwool) liefert die Ablaufanalyse wichtige Informationen:
| Messgröße | Zielbereich | Abweichung → Maßnahme |
|---|---|---|
| Ablauf-EC − Zufuhr-EC | ±0,3 mS/cm | > +0,5: Salzanreicherung → Spülung |
| Ablauf-pH − Zufuhr-pH | ±0,5 | > ±0,5: Substrat-Pufferung prüfen |
| Ablaufmenge / Zufuhr | 10 – 30 % | < 10 %: Wassermenge erhöhen |
Typisches Spülsignal
Ablauf-EC = 2,8 mS, Zufuhr-EC = 2,0 mS → Delta = +0,8 mS (über Schwellenwert 0,5). Kamerplanter empfiehlt 1–2 Spülgänge mit klarem Wasser (EC < 0,3 mS, pH 6,0).
Ausspülung (Flushing) vor der Ernte¶
Kamerplanter berechnet automatisch einen Ausspülungsplan. Die empfohlene Spüldauer hängt vom Substrat ab:
| Substrat | Empfohlene Spüldauer |
|---|---|
| Hydroponik | 7 – 14 Tage |
| Coco | 10 – 21 Tage |
| Rockwool | 7 – 14 Tage |
| Erde | 14 – 30 Tage |
Ausspülungsprotokoll (3-Phasen-Reduktion):
| Zeitabschnitt (% der Spülzeit) | Ziel-EC | Maßnahme |
|---|---|---|
| Erste 30 % | 50 % der Ursprungs-EC | Reduzierte Nährlösung |
| Mittlere 30 % | 25 % der Ursprungs-EC | Vierteldosis |
| Letzte 40 % | 0,0 mS/cm | Reines Wasser |
Temperatur des Mischwassers¶
Die Wassertemperatur beeinflusst Löslichkeit und biologische Wirksamkeit:
| Temperatur | Bewertung |
|---|---|
| < 5 °C | Zu kalt — schlechte Auflösung, Ausfällungsrisiko |
| 5 – 18 °C | Suboptimal — länger rühren |
| 18 – 22 °C | Optimal |
| 22 – 30 °C | Akzeptabel — biologische Produkte können sich schneller abbauen |
| > 35 °C | Nicht für biologische Dünger geeignet |
Haeufige Fragen¶
Meine Lösung ist weißlich/trüb nach dem Mischen — was ist passiert?
Trübung deutet auf Ausfällungen hin. Häufigste Ursache: CalMag wurde nach einem Sulfat oder Phosphat zugegeben. Lösung entsorgen, Behälter mit warmem Wasser spülen, Mischfolge korrigieren und neu ansetzen.
Kann ich alle Dünger gleichzeitig ins Wasser kippen?
Nein. Besonders CalMag und Sulfat/Phosphat dürfen nicht gleichzeitig kontaktieren — das führt sofort zu Ausfällungen. Immer schrittweise vorgehen und zwischen den Zugaben rühren.
Wie oft sollte ich EC und pH der fertigen Lösung messen?
Immer direkt nach dem Mischen. Bei Tankbetrieb (Reservoir) zusätzlich täglich — EC steigt durch Wasserverdunstung und pH driftet durch Pflanzenstoffwechsel.
Was bedeutet 'nicht tanksicher' bei einem Dünger?
Dünger, die nicht tanksicher sind, dürfen nicht im Vorratstank über längere Zeit gelagert werden — sie zersetzen sich oder fallen aus. Sie müssen frisch vor jeder Gabe gemischt werden.