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Aquaponik

Aquaponik verbindet Fischhaltung und Pflanzenanbau in einem geschlossenen Wasserkreislauf: Deine Fische liefern über ihre Ausscheidungen den Dünger für die Pflanzen, die Pflanzen reinigen im Gegenzug das Wasser für die Fische. Auf dieser Seite legst du ein Aquaponik-System an, überwachst den Stickstoffkreislauf und behältst die für die Fischsicherheit entscheidenden Wasserwerte im Blick.


Was ist Aquaponik?

In einem Aquaponik-System leben Fische in einem Tank, dessen Wasser durch einen Biofilter (ein Behälter mit nützlichen Bakterien) und ein Pflanzenbeet (Growbed) zirkuliert, bevor es zu den Fischen zurückfließt. Die Fischausscheidungen enthalten Ammoniak, das über zwei Bakteriengruppen im Biofilter in pflanzenverfügbaren Dünger umgewandelt wird — diesen Prozess nennt man Stickstoffkreislauf (siehe unten). Die Pflanzen nehmen den entstandenen Dünger auf und filtern damit gleichzeitig das Wasser, sodass die Fische darin gesund bleiben.

Kamerplanter unterscheidet fünf Systemtypen, je nachdem wie Fischtank, Biofilter und Growbed miteinander verbunden sind:

Systemtyp Beschreibung Geeignet für
Media-Bed Growbed mit Blähton, das gleichzeitig als Biofilter dient — kein separater Biofilter nötig Einsteiger, Hobby-Anlagen
Deep Water Culture (DWC) Pflanzen schwimmen auf Flößen in einem separaten Wasserbecken Salat, Kräuter
Nutrient Film Technique (NFT) Ein dünner Wasserfilm fließt über die Wurzeln Kräuter, Blattgemüse
Hybrid Kombination aus Media-Bed und DWC/NFT Fortgeschrittene Anlagen
Wicking-Bed Dochtbewässerung aus einem Reservoir Outdoor, robuste Anlagen

DWC, NFT, Hybrid und Wicking-Bed benötigen jeweils einen separaten Biofilter, da hier kein Substrat vorhanden ist, das die Bakterien beherbergen könnte. Nur beim Media-Bed übernimmt das Blähton-Substrat diese Funktion mit.


Der Stickstoffkreislauf einfach erklärt

Der Stickstoffkreislauf ist das biologische Herzstück jedes Aquaponik-Systems. Er läuft in drei Schritten ab:

  1. Ammoniak (TAN) — Fische scheiden über Kiemen und Urin Ammoniak aus. Kamerplanter erfasst diesen Wert als TAN (Total Ammonia Nitrogen, Gesamt-Ammonium-Stickstoff).
  2. Nitrit (NO₂⁻) — Eine erste Bakteriengruppe (Nitrosomonas) im Biofilter wandelt Ammoniak zu Nitrit um. Nitrit ist ebenfalls giftig für Fische, weil es die Sauerstoffaufnahme im Blut blockiert.
  3. Nitrat (NO₃⁻) — Eine zweite Bakteriengruppe (Nitrobacter/Nitrospira) wandelt Nitrit zu Nitrat um. Nitrat ist für Fische weitgehend ungiftig und der wichtigste Stickstoffdünger für deine Pflanzen.

TAN und freies Ammoniak sind nicht dasselbe

Der gemessene TAN-Wert besteht aus zwei Formen: dem harmlosen Ammonium (NH₄⁺) und dem hochgiftigen freien Ammoniak (NH₃). Wie viel davon als giftiges NH₃ vorliegt, hängt stark von pH-Wert und Wassertemperatur ab — bei hohem pH und hoher Temperatur ist ein deutlich größerer Anteil giftig, selbst wenn der TAN-Wert gleich bleibt. Kamerplanter berechnet das freie Ammoniak automatisch aus deinem TAN-, pH- und Temperatur-Messwert. Der sichere Grenzwert für freies Ammoniak liegt bei unter 0,02 mg/L — darüber wird es für deine Fische lebensgefährlich.


Voraussetzungen

  • Mindestens ein Standort ist angelegt (das Aquaponik-System wird darüber verwaltet).
  • Aquaponik ist ein Experten-Funktionsbereich und standardmäßig ausgeblendet. Stelle deine Erfahrungsstufe auf Experte oder blende das Modul Aquaponik unter Module & Funktionen manuell ein.
  • Zum Anlegen und Bearbeiten von Systemen, Wassertests, Fischbeständen und Fütterungen benötigst du mindestens die Mandantenrolle Grower (siehe Mandanten & Gärten).

Ein neues Aquaponik-System anlegen

Schritt 1: Zur Aquaponik-Übersicht navigieren

Klicke in der Navigation auf Aquaponik. Du siehst eine Liste deiner bisherigen Systeme (zu Beginn leer) sowie den Button System anlegen.

Schritt 2: Grunddaten eintragen

Feld Beschreibung Beispiel
Name Bezeichnung des Systems „Tilapia-Salat DWC"
Systemtyp Einer der fünf Systemtypen (siehe oben) Deep Water Culture (DWC)
Gesamtwasservolumen Wasservolumen aller Tanks zusammen, in Litern 630
Anbaufläche Gesamte Growbed-Fläche in m² 4

Schritt 3: Biofilter & Betrieb konfigurieren

Diese Werte legen fest, wie das System den Stickstoffkreislauf verarbeitet und in welchem pH-Bereich es betrieben werden soll.

Feld Beschreibung
Biofiltertyp Bei DWC, NFT, Hybrid und Wicking-Bed pflichtig — bei Media-Bed optional, weil das Substrat den Biofilter integriert. Zur Auswahl stehen: Integriert (Blähton), MBBR (K1-Medien), Rieselfilter (Lava) und Wirbelbett (Sand).
Soll-Futtermenge pro Tag Deine geplante tägliche Futtermenge in Gramm — dient als Referenzwert für spätere Auswertungen
pH-Zielbereich (min/max) Voreingestellt auf 6,8–7,2

Warum der pH-Zielbereich ein Kompromiss ist

Fische bevorzugen pH 7,0–8,0, Pflanzen nehmen Nährstoffe am besten bei pH 5,5–6,5 auf, und die Nitrifikationsbakterien im Biofilter arbeiten optimal bei pH 7,0–8,0. Der Standardbereich 6,8–7,2 ist ein Kompromiss, der allen drei Systemkomponenten ausreichend gerecht wird.

Schritt 4: Notizen und Speichern

Optional kannst du Freitext-Notizen hinterlegen (z. B. Herstellerangaben zum Filter). Klicke abschließend auf Speichern — das System erscheint sofort in deiner Übersicht.


Biofilter-Cycling: dein System einfahren

Bevor du Fische in voller Besatzdichte einsetzen kannst, muss sich im Biofilter eine Bakterienkultur aufbauen, die Ammoniak zuverlässig zu Nitrat abbaut. Diesen Vorgang nennt man Cycling (Einfahren) — er dauert in der Regel 4–8 Wochen.

Kamerplanter zeigt dir für jedes System den aktuellen Cycling-Status:

Status Bedeutung Fische erlaubt?
Neu Biofilter frisch befüllt, noch keine Bakterien vorhanden Nein — nur als Ammoniakquelle für das Einfahren
Fährt ein Bakterien bauen sich auf; typische Ammoniak- und Nitrit-Spitzen Nur wenige, robuste Fische (höchstens 25 % der Zielbesatzdichte)
Eingefahren Stabile Nitrifikation, keine Spitzen mehr messbar Ja, volle Besatzdichte
Winterruhe Bakterien sind bei Wassertemperaturen unter 10 °C inaktiv Reduziert — das System muss im Frühling erneut einfahren

In der System-Detailansicht siehst du den Einfahrfortschritt als Fortschrittsbalken mit begleitendem Text. Als eingefahren gilt der Biofilter, wenn TAN unter 0,25 mg/L und Nitrit unter 0,1 mg/L an 7 aufeinanderfolgenden Tagen gemessen wurden.

Keine Fische vor dem Einfahren einsetzen

Setzt du Fische ein, bevor der Biofilter eingefahren ist, drohen Ammoniak- und Nitrit-Spitzen, die für die Tiere lebensgefährlich sind. Starte neue Anlagen wenn möglich fischlos (mit einer reinen Ammoniakquelle) oder mit nur wenigen, robusten Fischen und engmaschiger Wasserkontrolle.


Wassertests erfassen und die Werte verstehen

Regelmäßige Wassertests sind die wichtigste Routine in der Aquaponik — sie zeigen dir frühzeitig, ob der Stickstoffkreislauf funktioniert und ob die Werte für deine Fische sicher sind.

Schritt 1: Wassertest erfassen

Öffne ein System und klicke auf Wassertest erfassen.

Schritt 2: Stickstoffkreislauf-Werte eintragen

Diese Werte entscheiden über die Sicherheit deiner Fische — Ammoniak und Nitrit sollten nach dem Einfahren bei 0 liegen.

Feld Bedeutung Richtwert
Ammoniak (TAN) Gesamt-Ammonium-Stickstoff — Fischabfall, aus dem der Kreislauf startet 0–0,5 mg/L (0 nach dem Einfahren)
Nitrit Giftiges Zwischenprodukt des Stickstoffkreislaufs 0–0,1 mg/L (0 nach dem Einfahren)
Nitrat Ungiftiges Endprodukt, wichtigster Pflanzendünger im System 5–150 mg/L (systemabhängig)
pH-Wert Säuregrad des Wassers, beeinflusst zusammen mit der Temperatur den Anteil des giftigen freien Ammoniaks 6,8–7,2 (Standardbereich)

Schritt 3: Weitere Wasserwerte eintragen

Feld Bedeutung Richtwert
Wassertemperatur Beeinflusst Fischstoffwechsel, Sauerstofflöslichkeit und Ammoniak-Toxizität Fisch- und pflanzenabhängig
Gelöstsauerstoff Sauerstoffgehalt im Wasser — Fische und Biofilterbakterien brauchen ihn zum Atmen 5–9 mg/L
Karbonathärte (KH) Puffert das Wasser gegen plötzliche pH-Stürze Ab 4 °dH sicher, darunter droht ein pH-Crash
Eisen Häufigstes Nährstoffdefizit in Aquaponik-Systemen 2–5 ppm

Schritt 4: Quelle wählen und speichern

Wähle, wie du die Werte ermittelt hast (Manuell, Sensor oder Test-Kit), ergänze optional Notizen und speichere. Der Test erscheint sofort in der Verlaufsansicht.

Freies Ammoniak wird automatisch berechnet

Du trägst nur den TAN-Wert ein — Kamerplanter berechnet daraus zusammen mit pH-Wert und Temperatur automatisch den Anteil des giftigen freien Ammoniaks und zeigt ihn als eigenen Messwert in der Wasserqualitäts-Übersicht an.

Wasserqualität auf einen Blick

In der System-Detailansicht siehst du alle zuletzt gemessenen Werte als farbige Chips mit Symbol:

Farbe & Symbol Bedeutung
Grün, Häkchen Wert im sicheren Bereich
Blau, Info-Symbol Wert außerhalb des Optimalbereichs, aber unkritisch
Gelb/Orange, Warndreieck Wert im Stressbereich für deine Fischart — beobachten und ggf. gegensteuern
Rot, Ausrufezeichen Kritischer Wert — sofortiges Handeln nötig

Kritische Werte werden zusätzlich als auffällige Warnmeldung oben in der System-Detailansicht angezeigt.

Ammoniak-Spitze — was tun?

Zeigt dir Kamerplanter einen kritischen Ammoniak- oder Nitrit-Wert an, handle sofort:

  1. Fütterung stoppen, bis sich die Werte erholt haben.
  2. Teilwasserwechsel durchführen (maximal 20 % des Systemvolumens auf einmal).
  3. Belüftung maximieren — mehr gelöster Sauerstoff mindert die Giftwirkung von Ammoniak.

Mögliche Ursachen sind Überfütterung, ein toter Fisch im Tank oder ein Biofilter-Ausfall (z. B. durch Chlor oder Medikamentenreste im Wasser).

Niemals Säuren zur pH-Absenkung verwenden

In Aquaponik-Systemen darfst du keine Säuren als pH-Senker einsetzen — sie können deine Fische und die Biofilterbakterien schädigen. Der pH-Wert sinkt durch die Nitrifikation ohnehin von selbst; ist er zu hoch, ist meist Abwarten die richtige Maßnahme. Muss der pH-Wert angehoben werden, geschieht das mit Kaliumhydroxid (KOH) oder Calciumhydroxid (Ca(OH)₂) im Wechsel — das versorgt die Pflanzen gleichzeitig mit Kalium und Calcium.


Fischbestand und Fütterung

In der System-Detailansicht siehst du eine Übersicht deines aktuellen Fischbestands: Name, Anzahl und geschätzte Gesamtbiomasse je Bestand. Die Fischarten stammen aus einem globalen Artenkatalog mit artspezifischen Grenzwerten für Temperatur, pH, Sauerstoff, Ammoniak und Nitrit.

Fischart Temperaturzone Optimaltemperatur
Nil-Tilapia Warmwasser 26–30 °C
Regenbogenforelle Kaltwasser 12–16 °C
Karpfen / Koi Temperiert 20–28 °C
Europäischer Wels Temperiert 20–26 °C
Europäischer Flussbarsch Temperiert 18–24 °C
Goldfisch Temperiert 18–22 °C
Zander Temperiert 18–22 °C
Seesaibling Kaltwasser 8–14 °C

Fischart passend zur gewünschten Pflanzenauswahl wählen

Die Wassertemperatur muss zu Fischen und Pflanzen passen. Warmwasserfische wie Tilapia harmonieren mit Fruchtgemüse (Tomaten, Paprika, Basilikum), Kaltwasserfische wie Forelle eher mit Blattsalaten und Kräutern, die eine kühlere Wurzelzone vertragen.

Das Anlegen eines neuen Fischbestands sowie das Erfassen von Fütterungen und Verlusten (Mortalität) sind derzeit noch nicht über die Bedienoberfläche möglich — siehe den Abschnitt für technische Nutzer unten.


Für technische Nutzer / Self-Hoster

Die folgenden Funktionen sind im Backend bereits vollständig implementiert, aber noch ohne Bedienoberfläche — du erreichst sie aktuell nur über die REST-API. Schreibende Aufrufe erfordern mindestens die Mandantenrolle Grower (Löschen eines Systems: Admin).

Nur über API: Fischbestand verwalten

POST /aquaponics/systems/{key}/fish-stocks legt einen neuen Fischbestand an, PATCH/DELETE auf derselben Route bearbeiten oder entfernen ihn. POST .../fish-stocks/{stock_key}/mortality erfasst Verluste. GET .../biomass-history und GET .../mortality-rate liefern die jeweilige Verlaufsauswertung.

Nur über API: Fütterung protokollieren und auswerten

POST /aquaponics/systems/{key}/feeding-events protokolliert eine Fütterung, GET auf derselben Route listet die Historie. GET .../feeding-recommendation liefert eine temperaturkorrigierte Tages-Empfehlung je nach Fischart, Biomasse und Cycling-Status. GET .../fcr-analysis wertet das Futterverwertungsverhältnis (Feed Conversion Ratio, FCR) über einen Zeitraum aus.

Nur über API: Nährstoffdefizite und Supplementierung

GET /aquaponics/systems/{key}/deficiency-check prüft, ob Eisen, Kalium, Calcium und weitere Nährstoffe im Mangelbereich liegen. POST/GET .../supplementation protokolliert bzw. listet Ergänzungsmittel-Gaben (z. B. Fe-DTPA, Kaliumhydroxid).

Nur über API: Sicherheits- und Gesundheitsstatus

GET /aquaponics/systems/{key}/safety-status fasst zusammen, ob alle Wasserwerte im fischsicheren Bereich liegen. GET .../fish-health liefert artspezifische Gesundheitswarnungen samt Handlungsempfehlung. GET .../alerts liefert dieselben Wasserqualitäts-Bewertungen, die auch in der Detailansicht als Chips angezeigt werden, als Rohdaten.

Nur über API: Cycling-Status manuell setzen und Verlaufsdiagramm

POST /aquaponics/systems/{key}/cycling-status überschreibt den automatisch erkannten Einfahrstatus manuell. GET .../nitrogen-cycle-chart liefert den Ammoniak-/Nitrit-/Nitrat-Verlauf über die Zeit als Datenreihe für eigene Auswertungen.

Nur über API: Systemdaten bearbeiten oder löschen

PATCH /aquaponics/systems/{key} bearbeitet die Grunddaten eines bestehenden Systems. DELETE /aquaponics/systems/{key} löscht es unwiderruflich — dafür ist die Mandantenrolle Admin erforderlich.

Der globale, mandantenunabhängige Fischarten-Katalog (Temperaturzonen, artspezifische Grenzwerte, Fisch-Pflanzen-Kompatibilität) steht unter GET /fish-species sowie GET /fish-species/{species_key}/compatible-plants zur Verfügung.


Häufige Fragen

Warum sehe ich Aquaponik nicht in der Navigation?

Aquaponik ist ein Experten-Funktionsbereich und standardmäßig ausgeblendet. Stelle deine Erfahrungsstufe auf Experte oder blende das Modul unter Module & Funktionen manuell ein.

Wie lange dauert das Einfahren eines neuen Systems?

In der Regel 4–8 Wochen, abhängig von der Wassertemperatur. Bei Wassertemperaturen unter 15 °C dauert es deutlich länger, da sich die Bakterienkultur langsamer aufbaut.

Kann ich vorhandene Tanks aus dem Tankmanagement in einem Aquaponik-System nutzen?

Fischtank, Biofilter, Sump und weitere Tank-Rollen eines Aquaponik-Systems bauen auf der bestehenden Tankmanagement-Infrastruktur auf. Die konkrete Verknüpfung einzelner Tanks zu einem Aquaponik-System ist aktuell nur über die API möglich.

Was mache ich, wenn der pH-Wert zu niedrig ist?

Ein zu niedriger pH-Wert (unter 6,5) kann bei geringer Karbonathärte (KH) auf einen drohenden pH-Crash hindeuten — sinkt die Alkalinität unter 4 °dH, kann der pH-Wert abrupt einbrechen, was die Biofilterbakterien schädigt. Puffere in diesem Fall mit Kaliumhydroxid (KOH) oder Calciumhydroxid (Ca(OH)₂) nach.


Siehe auch