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Integrierter Pflanzenschutz (IPM)

Das IPM-System (Integrated Pest Management — Integrierter Pflanzenschutz) verfolgt einen dreistufigen Ansatz: Prävention vor Monitoring, Monitoring vor Intervention. Kamerplanter protokolliert Befallskontrollen, verwaltet Behandlungen mit Karenzzeiten und warnt Sie rechtzeitig vor dem Erntetermin.


Voraussetzungen

  • Mindestens eine angelegte Pflanze oder ein aktiver Pflanzdurchlauf
  • Für Karenzzeit-Überwachung: Behandlungen mit angegebenen Mitteln und Ausbringungsdatum

Das IPM-Dreistufenmodell

Stufe 1: Prävention

Die beste Pflanzenschutzmaßnahme ist die, die Sie nicht brauchen. Kamerplanter unterstützt präventive Maßnahmen durch:

  • Standort-Hygiene-Aufgaben (automatisch generiert): Reinigung des Growbereichs, Desinfektion von Werkzeug
  • Fruchtfolge-Warnungen: Hinweise, wenn die gleiche Pflanzenfamilie zu schnell am selben Standort folgt
  • Klimaüberwachung: Hinweis bei dauerhaft hoher Luftfeuchte (> 70 % rH), die Schimmelpilzen begünstigt

Prävention lohnt sich

Schädlinge und Krankheiten, die frühzeitig erkannt werden, lassen sich mit biologischen Mitteln behandeln. Wer zu spät handelt, ist oft auf chemische Mittel angewiesen, die Karenzzeiten von Wochen auslösen.

Stufe 2: Monitoring (Befallskontrollen)

Regelmäßige Inspektionen sind das wichtigste Werkzeug zur Früherkennung. Kamerplanter hilft bei der Planung und Dokumentation.

Stufe 3: Intervention

Wenn ein Befall festgestellt wurde, wählen Sie die passende Behandlung. Kamerplanter überwacht die Karenzzeit und blockiert bei Bedarf die Ernte.


Befallskontrolle (Inspektion) durchführen

Schritt 1: Inspektion starten

  1. Navigieren Sie zu Pflanzenschutz (IPM) in der Navigation oder öffnen Sie eine Pflanze und wechseln Sie zum Tab Pflanzenschutz.
  2. Klicken Sie auf Neue Inspektion.

Schritt 2: Befallsstärke einschätzen

Bewerten Sie die Befallsstärke:

Stufe Beschreibung
Kein Befall Keine Anzeichen von Schädlingen oder Krankheiten
Niedrig Vereinzelte Anzeichen, keine Ausbreitung
Mittel Sichtbarer Befall, lokale Ausbreitung
Hoch Starker Befall, weitreichende Ausbreitung
Kritisch Akute Pflanzenschädigung, sofortige Maßnahmen nötig

Schritt 3: Schädlinge oder Krankheiten dokumentieren

Wenn Sie einen Befall entdeckt haben, wählen Sie aus der Liste:

Häufige Schädlinge: - Spinnmilben (Tetranychus urticae) - Blattläuse (Aphididae) - Thripse (Thysanoptera) - Trauermücken (Sciaridae) — besonders bei Coco und Erde - Weiße Fliegen (Aleyrodidae)

Häufige Krankheiten: - Echter Mehltau (verschiedene Spezies) - Botrytis (Grauschimmel) - Pythium (Wurzelfäule, bei Hydroponik) - Fusarium (Bodenpilz)

Wenn das Tier oder die Krankheit nicht in der Liste ist, können Sie sie manuell eingeben.

Schritt 4: Fotos hinzufügen (optional)

Fügen Sie Fotos der befallenen Stellen hinzu. Das hilft bei der Verlaufsbeobachtung und späteren Diagnose.

Schritt 5: Inspektion speichern

Die Inspektion wird in der Inspektionshistorie der Pflanze gespeichert und ist im Kalender sichtbar.


Behandlung erfassen

Schritt 1: Behandlung anlegen

  1. Navigieren Sie zu Pflanzenschutz (IPM) → Behandlungen oder klicken Sie in der Inspektion auf Behandlung einleiten.
  2. Klicken Sie auf Behandlung hinzufügen.

Schritt 2: Behandlungsmittel und -methode wählen

Feld Beschreibung Beispiel
Mittel / Präparat Name des eingesetzten Mittels "Neem-Öl 2 %", "Spidex (Phytoseiulus)"
Typ Kulturell, Biologisch, Chemisch, Mechanisch Biologisch
Wirkstoff Aktiver Bestandteil "Azadirachtin"
Karenzzeit (Tage) Wartezeit bis zur Ernte 14
Dosierung Menge und Konzentration "5 ml/L"
Ausbringungsmethode Sprühen, Gießen, Streuen, Freisetzung Sprühen

Schritt 3: Ausbringung dokumentieren

Tragen Sie das Ausbringungsdatum und die behandelten Pflanzen ein. Das System berechnet automatisch das frühestmögliche Erntedatum.

Karenzzeit läuft sofort

Sobald Sie eine Behandlung mit Karenzzeit eingetragen haben, ist die Ernte der betroffenen Pflanzen gesperrt, bis die Karenzzeit abgelaufen ist. Kamerplanter zeigt das frühestmögliche Erntedatum deutlich an.


Karenzzeit verstehen und überwachen

Die Karenzzeit (auch Pre-Harvest Interval, PHI) ist die gesetzlich vorgeschriebene Wartezeit zwischen der letzten Anwendung eines Pflanzenschutzmittels und der Ernte. Sie schützt Verbraucher vor Rückständen im Erntegut.

Wo sehe ich laufende Karenzzeiten?

  1. In der Pflanzendetailansicht im Tab Pflanzenschutz — ein roter Hinweis erscheint, wenn eine Karenzzeit aktiv ist
  2. In der Aufgaben-Übersicht — automatisch erstellte Aufgabe "Ernte möglich ab [Datum]"
  3. Im Kalender — Karenzzeit-Ablauf als Ereignis sichtbar

Karenzzeit überschrieben — was tun?

Wenn Sie eine Behandlung irrtümlich eingetragen haben, können Sie sie öffnen und das Ausbringungsdatum korrigieren. Wenn Sie ein falsches Mittel eingetragen haben, kontaktieren Sie das Support-Team oder verwenden Sie die Kommentarfunktion, um den Fehler zu dokumentieren.


Resistenzmanagement

Wirkstoff-Rotation beachten

Schädlinge entwickeln Resistenzen, wenn dieselbe Wirkstoffgruppe zu oft eingesetzt wird. Kamerplanter warnt Sie, wenn Sie dasselbe Mittel (oder denselben Wirkstoff) mehr als dreimal in 90 Tagen einsetzen.

Wenn eine Warnung erscheint: 1. Öffnen Sie die Behandlungshistorie der Pflanze. 2. Wechseln Sie zu einem Mittel mit einem anderen Wirkstoffmechanismus. 3. Warten Sie mindestens 2 Behandlungszyklen, bevor Sie zum ursprünglichen Mittel zurückkehren.


Nützlinge einsetzen

Für biologische Bekämpfung können Sie Nützlinge dokumentieren:

  1. Navigieren Sie zu Pflanzenschutz → Nützlinge.
  2. Klicken Sie auf Nützling freigesetzt.
  3. Wählen Sie den Nützling aus der Liste (z.B. Raubmilben gegen Spinnmilben, Schlupfwespen gegen Trauermücken).
  4. Tragen Sie Freisetzungsdatum, Menge und Standort ein.

Wichtig bei Nützlingen: - Nützlinge haben keine Karenzzeit — Ernten sind jederzeit möglich. - Vermeiden Sie nach dem Freisetzen von Nützlingen chemische Spritzungen, da diese auch die Nützlinge töten.


Befallshistorie eines Standorts auswerten

Unter Pflanzenschutz → Befallshistorie sehen Sie, welche Schädlinge und Krankheiten in welchem Bereich aufgetreten sind. Das hilft bei der Planung präventiver Maßnahmen für den nächsten Zyklus.


Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Karenzzeit und Wartezeit?

Im deutschen Sprachgebrauch werden beide Begriffe oft synonym verwendet. In Kamerplanter entspricht Karenzzeit dem englischen "Pre-Harvest Interval (PHI)" — die Mindestzeit zwischen letzter Anwendung und Ernte.

Kann ich eine Behandlung ohne Karenzzeit eintragen?

Ja. Für Behandlungen ohne Karenzzeit (z.B. Nützlingsfreisetzung, mechanische Maßnahmen wie Absammeln) tragen Sie 0 Tage ein. Diese Behandlungen blockieren keine Ernte.

Wie erkenne ich Spinnmilben?

Spinnmilben sind mit bloßem Auge kaum erkennbar. Typische Anzeichen: feine, silbrige Sprenkel auf den Blattoberflächen, feine Gespinste auf der Blattunterseite. Zur sicheren Diagnose empfiehlt sich eine 10×-Lupe.

Ich habe Neem-Öl ohne Karenzzeit-Angabe — welchen Wert trage ich ein?

Neem-Öl als biologisches Mittel gilt in Deutschland als relativ unbedenklich, aber es empfiehlt sich eine Wartezeit von 7–14 Tagen. Nutzen Sie den Wert, der auf Ihrem Produkt angegeben ist, oder fragen Sie beim Hersteller nach.


Siehe auch